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In der industriellen Praxis kommt es regelmäßig vor, dass Dichtungen mit identischen Abmessungen und gleichem Werkstoff völlig unterschiedliche Standzeiten erreichen. Während eine Anwendung über Jahre stabil läuft, kommt es bei einer scheinbar vergleichbaren Anwendung bereits nach kurzer Zeit zu Undichtigkeiten oder Ausfällen.
Ein wesentlicher Grund liegt in der vereinfachten Betrachtung der realen Belastung. Bei der Auswahl von Dichtungen werden häufig Nennwerte aus Datenblättern herangezogen. Temperatur, Druck und Medium gelten als bekannt. Was dabei oft unberücksichtigt bleibt, sind Temperaturspitzen, Druckschwankungen oder Medienwechsel, etwa durch Reinigungs- oder Spülprozesse.
Ein weiterer Faktor ist die materialtechnische Vereinfachung. Werkstoffbezeichnungen wie NBR, EPDM oder FKM werden häufig als eindeutige Qualitätsmerkmale verstanden. In der Praxis können sich Dichtungen gleichen Werkstoffnamens jedoch erheblich unterscheiden. Rezeptur, Härtegrad, Vernetzung und Füllstoffe beeinflussen das Alterungsverhalten und die Beständigkeit im realen Betrieb deutlich stärker, als viele erwarten.
Hinzu kommen mechanische Einflüsse, die konstruktiv oft nicht vorgesehen sind. Mikrobewegungen, leichte Exzentrizitäten oder Toleranzabweichungen führen dazu, dass Dichtungen unter Bedingungen arbeiten, die in der ursprünglichen Bewertung nicht berücksichtigt wurden.
Die Folge ist häufig eine Fehlinterpretation der Ursache. Statt die ursprünglichen Annahmen zur Belastung oder Materialwahl zu hinterfragen, wird das Bauteil ersetzt oder der Lieferant gewechselt – ohne nachhaltige Verbesserung.
Eine anwendungsbezogene, ganzheitliche Betrachtung ist daher entscheidend, um reproduzierbare und stabile Dichtungslösungen zu erreichen.